irritation in den angewandten künsten? genderspezifische betrachtungen in text, struktur und form

Frauenspezifischer Lehrauftrag WS 2006/07
an der Akademie der Bildenden Künste Wien


gemeinsam mit
Lilli Kern

Die Debatte um die Kategorie Geschlecht unternahm den Versuch von unterschiedlichen Perspektiven aus die Reproduktion ungleicher Geschlechterverhältnisse zu erklären. Der Einsatz des Begriffs Gender versprach die Möglichkeit, die fragwürdig gewordene Opposition zwischen Frauen und Männern zu dekonstruieren, sie gleichzeitig jedoch in ihrer sozialen, kulturellen und politischen Realität als Mechanismus der Hierarchisierung ernst zu nehmen. Im Laufe der Auseinandersetzung etablierte sich jedoch unter anderem eine radikalisierte Vorstellung von Körper als Effekt der Diskurse.

Die aktuelle Debatte schlägt vor, das existierende Verhältnis von Sex und Gender neu zu gestalten. Leitmotiv dafür im Bereich der Gender Studies ist die Vermittlung von Körper und Diskurs, die Überwindung der Oppositionen von Essentialismus und Konstruktivismus. (Vgl.: Bußmann, Hadumod, Renate Hof (Hg.), Genus. Geschlechterforschung/ Gender Studies in den Kultur- und Sozialwissenschaften, 2005)
Welche Auswirkungen haben die diskursiven Verschiebungen auf die Geschlechterpositionen innerhalb der angewandten Künste? Gerade diese Bereiche (Interieur, Mode, Design) waren signifikant für die Festschreibung der Geschlechterpositionen, die sich einer Verrückung hartnäckig widerstrebten. Die Ansätze der Gender Studies boten erstmals Anknüpfungspunkte zur Analyse der bestehenden Strukturen und deren Entstehung. Inwiefern vermag der aktuelle Diskurs die Leseweisen der bereits vertrauten Sex/ Genderterminologien zu verändern? Inwiefern sind zeitgenössische Ansätze losgelöst vom Genderdiskurs? - Einerseits durch Ignoranz, andererseits durch Überwindung?

Diese Fragen stellen sich in verschiedenen Zusammenhängen und bilden die Grundlage für unsere Lehrveranstaltung.
Literatur
Barthes, Roland, Die Sprache der Mode, Frankfurt am Main, 1985

Boeckl, Matthias, Ist die Moderne Männlich? Pionierleistungen österreichischer Architektinnen im 20. Jahrhundert, in: Parnass, Sonderheft Künstlerinnen, 1999

Bönsch, Annemarie, Formengeschichte Europäischer Kleidung, Wien, 2001

Buckley, Cheryl, Made in Patriarchy: Toward a Feminist Analysis of Woman and Design, in: Victor Margolin (Hg.), Design and Theory, Chicago and London, 1989

Bußmann, Hadumod und Renate Hof (Hg.), Genus. Geschlechterforschung/ Genderstudies in den Kultur- und Sozialwissenschaften, Stuttgard, 2005

Columina, Beatriz, Sexuality and Space, New York, Princeton Architectural Press, 1992

Cziksentmihaly, Mihaly und Eugene Rochberg-Halton, The meaning of things, Domestic symbols and the self, Cambridge University Press, 1981

Harlizius-Klück, Ellen, Annette Hülsenbeck (Hg.), Selfactor: Zeitformen des Textilen; Schnittformen der Zeit , Ed. Ebersbach, Berlin, 2002

Howard, Ella, Feminist Writings on Twentieth-Century Design History, 1970-1995: Furniture, Interiors, Fashion, in: The Bard Graduate Center for Studies in the Decorative Arts, Design, and Culture (Hg.), Decorative Arts, Vol. III, New York, Fall-Winter 2000-2001
John Michael Kohler Arts Center (Hg.), Discursive Dress, Wisconsin, 1994

Kuhlmann, Dörte, Kari Jormakka (Hg.), Building Gender. Architektur und Geschlecht, Wien, 2002

Leigh, Mole, Chronomanual Craft. Time Investment as a Value in Contemporary Western Craft, in: The Design History Society (Hg.), Journal of Design History vol.15 No.1, 2002

McQuaid, Matilda, Lilly Reich. Designer and Architekt, New York, 1996

Nierhaus, Irene, ARCH 6. Raum, Geschlecht, Architektur, Sonderzahl Verlagsgesellschaft m.b.H., Wien,1999

Reed, Christopher, Not at home: the suppression of domesticity in modern art and architecture, Thames and Hudson, London, 1996

Ryder-Richardson, Lucy, It’s a stitch up, in: ID Magazine, London, 2000

Stewart, Janet, Fashioning Vienna: Adolf Loos´s cultural criticism, London, Routledge, 2000