post-memory of history. die exilgeschichte der bettina ehrlich
Ich glaub mit der ’’Zeit, die die Schmerzen heilt“ oder auch nicht, ist es so, daß sie es in Wellen tut, mal ja und mal nicht…(Bettina Ehrlich, 1944)
How is a post-Holocaust generation of artists supposed to „remember“ events they never experienced directly? War einer der ersten Sätze, die mich im Feber 2005 in dem Buch ansprachen, das mir Howard Falkensohn, Archivar der Wiener Library in London zum lesen gegeben hatte. „Alles, über das sie nachdenken, alles was sie über den Holocaust wissen, ist was in Tagebüchern zu finden ist, was Überlebende ihnen aus ihren Erinnerungen hinterlassen haben“, las ich weiter. Diese Sätze verunsicherten mich zunehmend. War ich doch nach London gekommen, um auf die eigentlichen Spuren dieser Frau zu gehen, die aus Wien fliehen musste und die ich nur von Fotos kannte. Ich hatte bis dahin Briefe gelesen, von ihr, an sie. Hatte Bilder gesehen, die sie angefertigt hatte, Bücher gelesen die sie geschrieben und illustriert hatte. Hatte Orte aufgesucht, wo sie gelebt und gearbeitet hat, wo sie beerdigt worden war. Ich erkannte ihre Handschrift. Bis zu dem Punkt war mir die 1903 in Wien geborene Bettina Ehrlich geborene Bauer, die Frau des Bildhauers Georg Ehrlich, Nichte Adele Bloch-Bauers und Cousine Maria Altmanns vertraut gewesen, dachte ich zumindest. Jetzt in London, wo ich niemanden kannte, wo ich mich in den Straßen nicht zurechtfand, wo die Sprache eine andere war, begann ich zu zweifeln. Und die Fragen schienen immer mehr zu werden.
