Campus WU D1TC Nacht Eingang Aula

campus wirtschaftsuniversität wien

neubau hörsaalzentrum, mensa und department für welthandel

im team von
BUSarchitektur Mag.Arch.Arq. Laura P. Spinadel

bauherr
Projektgesellschaft Wirtschaftsuniversität Wien

projektanteil
Projektleitung für Ausführungs- und Detailplanung

teamkollegen
Bernd Pflüger, Jean Pierre Bolivar, Daniela Kobel, Franz Lang, Margit Friedrich, Nico Richter, Rosemarie Lebzeltern, Santiago Sánchez Guzmán, Santiago Castorina, Letizia Martani, Leonie Schreger, Florian Pfeifer und BOA büro für offensive aleatorik

zeitraum
2009 - 2014
Campus WU D1TC Eingang Aula Audimax außen

daten

Grundstücksfläche: 17.548 m²
Bruttogeschossfläche: 32.484 m²
Nutzfläche: 17.000 m²
Bebaute Fläche: 4.572 m²

Baukosten: 52,4 Mio EUR
Kosten pro Quadratmeter: 1.850 EUR

Heizwärmebedarf: 16.0 kWh/m²a
Energiesysteme: Fernwärme, Geothermie, Wärmepumpe
Bauteilaktivierung unter Verwendung einer zentralen Grundwassernutzung

Zertifizierung: DGNB
Campus WU D1TC Blick auf Department Campus WU D1TC Glaskamin außen
Campus WU D1TC Fluchtstiege 5 Campus WU D1TC Außen Brücke 2
Campus WU D1TC Aula auf Audimax

über das Hören

Im Auge des Betrachters ist die Aula eine weitere Verdichtung von Bewegungsströmen. Rechterhand zieht die Fassade des Audimax weit in den Raum. Zentral wird die Fläche begrenzt durch die erneut vom Gebäude abgerückte Hörsaalspange mit ihren drei großen Vortragssälen mit je 180 Sitzplätzen. Links wird man, teils innen, teils außen, entlang der “Hochzeitsstiege” vom Forum aus in das Zentrum des Raumes geführt. Die Sitzstufen zu beiden Seiten der kristallin aufgelösten Glasfront laden zum Verweilen und zur Kommunikation ein.
Betritt man die Aula des Hörsaalzentrums über den Haupteingang, so ist, neben der konstanten Temperierung, der spürbarste Unterschied die Filterung des Straßenlärms. Durch die schützende Glasfassade richtet sich der Focus des Besuchers auf die Betriebsamkeit des Gebäudes. Das Haus rückt in den Mittelpunkt des Nutzers.
Campus WU D1TC Aula und Atrium
Das Hörsaalzentrum ist wohl, neben der Bibliothek, das öffentlichste der Gebäude am Campus. Es war für uns naheliegend, dass sich die Urbanität des Freiraums, mit seinen Strömen und Verdichtungen, im Gebäude im angepassten Maßstab wiederfindet. Die Entwicklung von Öffentlichkeit und Privatem findet sich jetzt in mehreren Schichtungen übereinander.
Durch die zielgerichtete Dämpfung an den richtigen Stellen unterstreicht der entstehende Klang das visuelle Bild. Der Raumeindruck bleibt stabil und kohärent. Werden zu viele Töne geschluckt, wird der Raum schnell unangenehm und schrumpft. Umgekehrt, bei zu großer Halligkeit wird der Raum auffällig tönend.
Campus WU D1TC Aula UG Hörsaalspange
Täglich werden tausende Personen das Gebäude aufsuchen und wieder verlassen, z.B. um geschäftig mit festen bestimmten Schritten eine Vorlesung zu besuchen, um vielleicht in den Selbststudienzonen in Ruhe zu lernen oder um zur Cafeteria im zweiten Stock über die Flanierstiegen und -brücken zu promenieren und um sich mit Freunden zum Plaudern zu treffen. Nach der Passage ins Innere kann es sein, dass man an den verschiedenen Orten vor den Hörsälen von einer Traube von Personen mit Gemurmel und Herumgeraune empfangen wird, die auf den nächsten Vortrag warten. Vielleicht findet man sich in einer Messeveranstaltung, wo des Nachbars Gespräch zwar noch von Interesse ist, jedoch ein Zuviel an Hintergrundgeräuschen nicht mehr hörenswürdig und somit anstrengend ist. Aber abends, mitten in einem Studentenfest, soll die Musik noch in den letzten Winkel getragen werden.

Aufgrund der schallabsorbierenden Wirkung einzelner Personen ist die für die Ausnutzung aller Möglichkeiten ein entsprechendes Luftvolumen notwendig, um optimale Nachhallzeiten zu erreichen. Über die einzelnen Orte spannt sich eine vielfach geknickte Decke, die bedarfsgerecht das Raumvolumen der Situation anpasst. Über dem erweiterten Forum im Erdgeschoß öffnet sich die Decke auf über 13,0 Meter Höhe und das hörbare Spektrum der Klänge kann sich befreit entfalten.
Campus WU D1TC Aula Stiege P
In den Ruhebereichen wie z.B. den Studierzonen nähert sich die Decke dem Fußboden bis unter 3,0 Meter Höhe und der entstehende Schall wird lokal in seiner Entfaltung beschränkt.

Um Orte in einer größeren Landschaft herauszubilden, bedarf es visueller Elemente der Trennung, um ihn zweckdienlich zu machen. Architektur ist aber eine Disziplin für alle Sinne. Um die Orte praktikabel auch akustisch erfahrbar werden zu lassen, fließen Kriterien wie Reflexion und Absorption in die Planung.

Die Glasfassaden, die Betonwände und -decken wie auch die harten Naturstein- und Holzböden sind schallverstärkend wirkende Elemente. Dem entgegengesetzt wirken die an den tragenden Kernwänden vorgesetzten Akustikpaneele aus Holz. Schallschluckend ist auch die Cortenfassade im Innenbereich. Sie gleicht dem gestanzten Sonnenschutzmuster und ist funktionell mittels hinterlegtem Vlies und Mineralwolle schalltechnisch neu programmiert. Die Auswahl ist nicht zufällig. Die härteren Materialien umfassen die schützenden wie tragenden Bauteile.

Campus WU – eine holistische Geschichte
Arno Reiter, BUSarchitektur 2013
Campus WU D1TC Audimax unbesetzt Campus WU D1TC Audimax besetzt
Campus WU D1TC Selbststudienzone über Audimax Campus WU D1TC Spazierstiege A
Campus WU D1TC Glaskamin Geometrie
Glaskamin
Buchcover Campus WU eine holistische Geschichte

links

Ernst Plischke Preis 2014 – Plischkes Diagramm wurde ausgewogen umgesetzt. Die offenen Bereiche, die von Studierenden sehr gut angenommen werden — wie auch der Entwurf insgesamt —, zeugen von menschenbejahendem planerischen Denken. Auch wenn die Baukosten dieses Bauteils wesentlich geringer sein mussten…, beeindrucken der Gestaltungswille und das Feingefühl, die hier bis in die Details spürbar sind…

Blue Building Zertifikat – als Weiterentwicklung von „Green Building“ für ökonomisches, ökologisches und sozial nachhaltiges Bauen

Campus WU – eine holistische Geschichte, Buch, Hrsg. BOA büro für offensive aleatorik

Sensuous Worlds Campus WU - D1 TC, Film

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